Mut machen :-)
Vor unserer Reise nach Neuseeland hatte ich noch einen Termin bei meiner Frauenärztin.
Ein vergrößerter Lymphknoten in der rechten Achsel machte mir Sorgen. Die Ärztin hat ihn untersucht und mir sehr schnell einen Termin am 13. Dezember (3 Tage vor unserer Abreise!) zur Mammographie in der Landesfrauenklinik Hannover verschafft.
Diagnose: Lymphknoten vergrößert, 2,5 cm groß, absolut unauffällig - von Seiten des Arztes kein medizinischer Grund zu operieren. Ja, aber .... ich hatte so ein Bauch-Gefühl, dieses Ding sollte aus mir raus, es machte mir Angst. Der Arzt konnte meine Bedenken verstehen. Ein OP-Termin wurde für den 19. Januar vereinbart.
Recht sportlich bin ich an diese OP rangegangen. Raus mit dem Ding und ein paar Tage später ist alles wieder gut !!! Leider bildete sich Wundflüssigkeit unter der Narbe und musste punktiert werden. Die Wunde entzündete sich. Ich bekam Fieber, musste ins Krankenhaus, bekam Antibiotika und wurde letzten Donnerstag, 2. Februar, noch einmal operiert. Im Augenblick wird die Wunde täglich gespült - ich hoffe aber sehr, diesmal gibt es keine Komplikationen.
Was aber viel schlimmer war und uns zunächst ins Bodenlose stürzte, war der Anruf der Klinik ein paar Tage nach der 1. OP:
In diesem Lymphknoten hatte man eine Metastase gefunden !
Angst - Panik - Fassungslosigkeit
Dazu müsst Ihr wissen: 2004 war ich an Brustkrebs erkrankt. Leider hatte ich auch Metastasen in den Lymphknoten. Nach brusterhaltender OP und Entfernung der entsprechenden Lymphknoten, Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie (über 6 Jahre) hatte ich mich gut erholt.
Wenn ich damals anfangs dachte, die Lichter wären aus, so waren sie doch auf bemerkenswerte Weise angegangen. Ich hab' aufgeräumt in meinem Leben. Hab' endlich mal Schluss gemacht mit ollen Kamellen - uraltes Zeug, dass mich belastet hatte und mir so manche schlaflose Nacht bescherte (dazu hatte ich zum Glück professionelle Hilfe). Mein Blick ist seitdem nach vorne gerichtet.
Ich habe nie auf die nächste Erkrankung gewartet - war und bin viel zu sehr mit Leben beschäftigt :-)
Wir haben sofort unsere Kinder informiert. Es ist wichtig, dass sie Bescheid wissen. Wie sollen sie uns sonst vertrauen. Hinter vorgehaltener Hand irgendein Gemunkel - geht gar nicht ! Genauso haben wir es auch mit unseren Freunden gehalten.
Für die Offenheit hier im Netz habe ich ein bisschen gebraucht. Dies soll ja kein Betroffenheits-Post sein, sondern helfen und nicht nur mir Mut machen !!!
In den letzten Tagen wurden sehr wichtige Untersuchungen durchgeführt:
Kein neuer Tumor - die allerallerallerbeste Nachricht, die man sich nur vorstellen kann :-)
Die Untersuchung der Metastase ergab, dass dieses Ding die gleichen Eigenschaften aufweist wie der Tumor von 2004 - das Wachstum ist hormon(Östrogen)abhängig.
Ob nun eine
Bestrahlung erfolgt, muss diskutiert werden. Ganz sicher werde ich wieder eine
Hormonbehandlung machen müssen. Das ist im Gegensatz zu vielen anderen Krebs-Therapien eher ein sehr gemütlicher Spaziergang - täglich eine Tablette über mehrere Jahre - ich hatte seinerzeit keinerlei Nebenwirkungen.
Wenn ich Angst bekam in diesen Maschinen und Röhren, vor den OPs, vor den Untersuchungsergebnissen hab' ich mich einfach weggeträumt ... nach Neuseeland :-)
Ja, da sitze ich nun - brauch' noch ein bisschen für mich ...
Das größte und wunderbarste Geschenk ist meine Familie.
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Als ich nach dem Knochenzintigramm im Wartezimmer saß, saß mir eine Frau gegenüber - völlig aufgelöst, sie weinte und hatte solche Angst. Man hatte bei ihr Brustkrebs festgestellt und auch sie musste nun zum Knochenzinti. Ich hab' mich ein Weilchen zu ihr gesetzt und sie erzählte: Sie weine nicht zu Hause, da muss sie stark sein und für ihre Kinder dasein ...
Mir hilft das Schreiben und ich hoffe, Euch hilft das Lesen.
Ich will Mut machen - Betroffenen, Angehörigen, Freunden, Kollegen.
Die Diagnose Krebs ist furchtbar. Schlimm ist aber auch die Distanz, die entstehen kann. Freunde, Nachbarn, Kollegen, etc. wissen oft nicht wie sie sich verhalten sollen. Soll man mal anrufen, mal nachfragen? Man will nicht stören, man will nicht aufdringlich sein und was weiß ich nicht noch ...Da will man nichts falsch machen und meldet sich besser gar nicht und das ist leider total falsch.
Ich finde die eigene Befindlichkeit/Unsicherheit kann ruhig mal hinten anstehen. Nur wenn man anruft, vorbeigeht, nachschaut, sich kümmert, kann man herausbekommen ob es dem/der Kranken gerade gut geht. Natürlich kann es auch mal passieren, dass es gerade ungelegen ist - na und, dann meldet man sich halt später wieder. Wir haben im Allgemeinen nicht gelernt mit solchen Situationen umzugehen, aber es ist ganz wichtig über seinen eigenen Schatten zu springen und hier den Weg nach vorne anzutreten.
Am normalen Leben teilnehmen - und da darf auch mal heftig und böse gelacht werden -, ist einfach wunderbar.
Viele liebe Grüße an Euch
Birgit